Unterrichtsmaterial Mathematik

Eine gute Lerngruppenanalyse ist keine Pflichtübung – sie ist die Begründung dafür, warum genau diese Stunde für diese Klasse sinnvoll geplant ist. In meinen Entwürfen ist sie immer so aufgebaut, dass sie direkt auf Aufgabenwahl, Differenzierung und methodische Entscheidungen einzahlt.

6 Punkte, die du immer abdecken solltest:

Fachliches Vorwissen

Beschreibe konkret, was die Klasse im Thema sicher beherrscht und wo typische Lücken liegen. Nenne 1–2 Beobachtungen/Belege (z. B. aus Hausaufgaben, Diagnosetask, letzter Stunde).

Beispiele Mathe: Ableitungsregeln werden meist korrekt angewendet, aber das Interpretieren von Steigung/Änderungsrate fällt schwer; bei Graphen werden Achsen/Skalierung übersehen; Tangentensteigung wird mit Funktionswert verwechselt.

Beispiele Physik: Begriffe wie Kraft/Arbeit/Energie werden vermischt; Einheiten werden unsicher umgerechnet; Diagramme (s-t, v-t) werden gelesen, aber nicht sauber interpretiert.

Heterogenität

Zeige die Spannbreite in der Lerngruppe und leite daraus konkrete Differenzierung ab (nicht nur „heterogen“ schreiben). Beschreibe kurz 2–3 Gruppen: stark / mittel / unterstützungsbedürftig und worin sich das zeigt.

Beispiele Mathe: Starke SuS können Ergebnisse begründen und verallgemeinern (z. B. Zusammenhang f und f’ erklären), während andere noch auf Rechen- und Darstellungsfehler stoßen (z. B. Vorzeichen, Ablesen am Graphen).

Beispiele Physik: Einige SuS können Modelle übertragen (z. B. Energiefluss, Kräftezerlegung), andere benötigen Schritt-für-Schritt-Hilfen (Formeln umstellen, Skizzen anfertigen). Ergänze konkrete Maßnahmen: Hilfekarten, gestufte Aufgaben, Wahlaufgaben, Zusatzaufgabe „Begründe/Reflektiere“.

Sprachliche Hürden

Benenne typische sprachliche Stolperstellen und wie du sie entschärfst: Operatoren, Satzmuster, Fachbegriffe, Textlastigkeit.

Beispiele Mathe: „beschreiben“ vs. „begründen“, „Ableitung als Steigungsfunktion“, „lokal/ global“, „monoton/ wachsend“, „Wendepunkt“; viele können rechnen, aber nicht sauber formulieren („Die Kurve geht hoch“ statt „f ist in diesem Intervall streng monoton steigend“).

Beispiele Physik: „proportional“, „Resultierende“, „Impuls“, „Arbeit verrichten“, „Energieübertragung“; Einheiten korrekt benennen. Maßnahmen: Glossar am Rand, Satzstarter („Daraus folgt…“, „Man erkennt…, weil…“), Operatoren-Kasten, reduzierte Textaufgaben oder grafische Hilfen (Skizze/Diagramm statt Fließtext).

Arbeitsverhalten

Beschreibe, wie die Klasse arbeitet: Tempo, Konzentrationsspanne, Umgang mit offenen Aufgaben, Nachfragen/Frustrationstoleranz.

Beispiele Mathe: In Übungsphasen arbeiten viele zügig, bei Transferaufgaben kommt es zu „Blockaden“; einige springen zu früh zum Ergebnis ohne Begründung.

Beispiele Physik: Praktische/experimentelle Phasen motivieren, aber Protokollieren/Interpretieren braucht klare Struktur. Maßnahmen: Zeitmarker (5–8-Minuten-Abschnitte), Checkpoints („Zwischenergebnis zeigen“), Mini-Sicherung nach Teilaufgabe, Hilfeschleifen (Hinweis 1/2/3), Beispiellösung erst nach eigenem Versuch.

Sozialformen

Nenne, welche Sozialformen in der Klasse zuverlässig funktionieren und welche klare Regeln brauchen.

Beispiele Mathe: Partnerarbeit klappt gut bei Routineaufgaben (Ableitungen), bei Interpretationsaufgaben braucht es Rollen („Erklärer“/„Protokollant“) oder Leitfragen.

Beispiele Physik: Gruppenarbeit im Experiment ist gut möglich, wenn Rollen klar sind („Material“, „Messung“, „Auswertung“). Maßnahmen: Rollenkarte, Arbeitsauftrag in 3 Schritten, Ergebnissicherung pro Gruppe (ein Satz + ein Diagramm/Skizze), kurze Plenumsphasen zur Kalibrierung (damit niemand „falsch abbiegt“).

Motivation & Relevanz

Zeige, was die Lerngruppe motiviert und wie du das didaktisch nutzt, ohne „Show“.

Beispiele Mathe: Graphisches Differenzieren über reale Kurven (Weg-Zeit → Geschwindigkeit, Temperaturverlauf → Änderungsrate), „Was passiert mit der Steigung, wenn…?“. Kurze Diagnosefrage zu Beginn („Wo ist die Steigung am größten?“).

Beispiele Physik: Alltagsphänomene (Bremsweg, Hebel, Energieverbrauch), kurze Vorhersage („Was denkst du, wie ändert sich…?“) und dann Abgleich mit Modell/Experiment. Maßnahmen: kurzer Einstieg mit Problemfrage, authentische Daten/Diagramme, sichtbarer Nutzen („Damit kannst du…“), Erfolgserlebnisse durch gestufte Aufgaben (erst sicher, dann Transfer).